Wien, 20. September 2018

Auftakt an der Donau, im NIG. Das Neue Institutsgebäude. Eine Legende, schwärmt ein Kollege aus Österreich am Abend vorher in einem Biergarten in München. Die Uni-Ferkelei. Dieser Kollege hat es dann doch nicht geschafft zur Lesung – genau wie die, die vorher auf Facebook gepöbelt hatten. Alles ganz gesittet.

Lesung im NIG

Die Junge Linke hat eingeladen, noch ziemlich neu im Land. Aufstrebend, sagt Kerem. Nachfolger der Jungen Grünen, weil die alten Grünen ihre Jugend nicht mehr mochten, und ohne feste Bindung an eine Partei. Max, der den Abend moderiert, ist traurig, dass keine Frau auf dem Podium sitzt. Besser keine Fotos, sagt er. Eine reine Männerrunde: Das kommt bei uns nicht so gut an. Eine Zuhörerin wundert sich hinterher, dass wir (hin und wieder) überhaupt die männliche Form benutzen. Das sei in Österreich längst Geschichte. Und dann der Buchtitel. Die Kurden. Wie im Mittelalter.

Am Ende spielt dann doch noch eine Frau die Hauptrolle: Johanna, die etwas später kommt, weil sie dicht dran ist an Max Zirngast, Journalist aus Österreich, der nach dem Studium in Ankara geblieben ist. Während wir in seiner Heimat lesen, steht Max in der Türkei vor dem Haftrichter. Johanna bringt ein Transparent mit für ein Soli-Foto. Nicht nur diskutieren, sondern etwas tun, symbolisch zumindest.

#FreeMaxZirngast

Sonst? Kurden im Publikum und Türken, die manche Details besser kennen als wir. Junge Österreicher (viele Frauen) und auch ein paar ältere. Ein Gast aus Afrin gibt ein Statement auf Kurdisch ab und lässt es über den Umweg Türkisch ins Deutsche übersetzen. Unmöglich, diese westlichen Medien, sagt er. Dieses laute Schweigen, obwohl in Afrin gerade eine dschihadistische Diktatur entstehe. Er habe Verwandte dort. Sonst würde er von all dem gar nichts mitbekommen.

Die anderen fragen nach Rojava (wo kann man sich informieren, wie finanziert sich diese Revolution), nach Barzani (der in unserer Präsentation offenbar zu gut weggekommen ist), nach der PKK. Die aktuelle Linie, die Bewertung in der EU. In Österreich anders als in Deutschland als in der Schweiz als in Belgien. Und: Was kann man tun, hier in Wien? Am Ende haben wir das Foto gemacht. Johanna sei Dank.

Hörsaal III im NIG