Linz, 22. September 2018

Das „Alte Rathaus“ in Linz

Die zweite Lesung in Linz. Eingeladen haben das Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen, die Junge Linke und KPÖ Plus. Was in Bayern so gut wie unmöglich wäre, ist in der drittgrößten Stadt Österreichs kein Problem: Die Veranstaltung findet an offizieller Stelle im Alten Rathaus statt. Das Publikum bunt gemischt, erstaunlich viele Kinder. In der Lesung sprechen wir über den Journalisten Ismail Küpeli und seinen Sohn Jonas, der die Gewalttaten der jungen türkischen Republik gegen alle die keine Türken werden wollen, nicht hören darf und stattdessen in seinem Dinosaurier-Buch lesen musste, als wir das Interview mit seinem Vater führen. Und es ist wirklich brutal, was der türkische Staat in den 1920er Jahren mit den angeblich aufständischen Kurden gemacht hat: „Alle Männer erschießen, die Frauen und Kinder vertreiben. Es gibt auch Fälle, wo Hunderte und Tausende Menschen gleich vor Ort umgebracht werden. Auch die Frauen und die Kinder, etwas später vielleicht, weil sie sich angeblich geweigert haben zu gehen. Manchmal wird auch einfach bombardiert, mit Kampfflugzeugen. Nicht viel anders als heute“ (O-Ton Ismail Küpeli im Buch, S. 48). Während dieses Teils der Lesung bleiben die Kinder in Linz sitzen, mucksmäuschenstill.

In der anschließenden Diskussion geht es auch um den Titel des Buches „Die Kurden“. Ob das nicht die Differenzierungen innerhalb der kurdischen Gesellschaft überdecken würde. Natürlich, denn auch dort gibt es verschiedene Klassen, dementsprechend unterschiedliche politische Strömungen. Die kurdische Freiheitsbewegung ist gleichzeitig auch eine Bewegung der ArbeiterInnen, der Armen. Das wurde vor allem bei meinem Aufenthalt im Viertel Heleli der Stadt Qamischli in Rojava deutlich. Dort leben die Ärmsten und dort ist die Unterstützung für die Revolution am größten. Und einen der ersten Kämpfe führte die neugegründete PKK in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren vor allem gegen den kurdischen Großgrundbesitz und die konservativen Stammesführer, mit deren Hilfe sich der türkische Staat seine Macht in der Region sicherte.

Am Ende dann ein großes kurdisches Buffet und Solidarität mit dem aktivistischen Journalisten Max Zirngast, der in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt.

Auch hier: #FreeMaxZirngast

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit KPÖ Plus-Banner im Hintergrund