Salzburg, 23. September 2018

Salzburg ist noch ein bisschen müde. Der EU-Gipfel, sagt Christian Zeller. Viel Arbeit mit der Demo und jetzt der Kater danach. Die Autonomen und die Polizei und überhaupt. Zufriedenheit klingt anders.

Die Stadt betäubt sich bei Ruperti. DAS Fest der Salzburger. Überall Buden und Menschen, die aussehen, als wollten sie zur Wiesn gehen. Die Academy-Bar, in der wir lesen, wirbt mit einer „Ruperti-Aktion“. Doppelte Preise für alle, die im Dirndl kommen oder mit einer Lederhose. Die beiden Brüder, die den Laden schmeißen, erwarten uns im Freisitz mit einem Bier.

Drinnen hat dann Nadile das Sagen, 19 erst und trotzdem schon Co-Vorsitzende des Demokratischen Gesellschaftszentrums der Kurdinnen in Salzburg. Nur noch mündlich Mathe und dann ist das Abitur geschafft. Ihr Vater, erzählt Nadile, mochte die Schule nicht so. Eine Geschichte aus dem Nordkurdistan der 1980er. Ein Lehrer, der den kurdischen Schülern eine Leiche zeigt. Schaut ihn euch an, diesen Kämpfer. Wenn ihr aufmüpfig werdet, wird es euch genauso gehen. Bei Nadiles Vater hat das nicht geholfen. Fast hätte ihn die Familie seiner Braut verschmäht, weil er ihr zu politisch war. Zum Glück sah das Nadiles Mutter anders, obwohl sie ihren Zukünftigen vor der Hochzeit nur einmal kurz gesehen hat und auch das nur von hinten.

Nach der Lesung gibt es wieder ein Foto für Max Zirngast, Lob für das Cover (tolles Bild) und einen neuen Titelvorschlag. Die Menschen. Wie wollen wir zusammenleben: Das ist doch die Frage. Und Rojava vielleicht die Antwort, auch wenn es Zweifel gibt, die wir im Buch diskutieren und die auch in Salzburg angesprochen  wurden (vor allem: die Ökonomie). Wer das im Detail hören mag: Lesung und Diskussion sind online. Wie auch ein Mini-Video aus dem Hörsaal in Wien.