Schorndorf, 24. September 2018

Montag. Demo-Tag. Stuttgart 21. Eva, Ernst und Simon schwänzen heute. Ich hab uns abgemeldet, sagt Simon. Das muss schon sein. Ein normaler Montag? 17.15 Uhr in Schorndorf in die Bahn, 18 bis 19 Uhr Demo, zurück nach Hause. Die Reden sind immer gut, sagen die drei. Informativ, aktuell. Die neueste Schweinerei, sozusagen. Und die Leute. 300 bis 500, immer noch, obwohl der Demozähler jetzt bei 430 steht. Sich austauschen, Aktionen planen, auch jenseits von S21.

Heute sind Eva, Ernst und Simon in die Manufaktur gekommen. Das Haus feiert gerade den 50. Ein Erbe der 68er. Viele im Raum könnten damals schon dabei gewesen sein. Der größtmögliche Kontrast zum Hörsaal in Wien. Schön.

Von der DITIB-Moschee nebenan ist niemand dabei. Ich habe sie eingeladen, sagt Josef, Organisator, Moderator. Nun ja. Hinterher kommt ein Türke, Ende 30, Anfang 40, und stellt sich als Gülen-Anhänger vor. Seit dem Putsch 2016 wisse er, wie es sich anfühlt, als Minderheit unterdrückt zu werden. Späte Einsicht. Es waren nicht zuletzt Gülen-Richter und Gülen-Staatsanwälte, die Kurdinnen und Kurden verfolgt haben, in den KCK-Prozessen zum Beispiel, über die wir auch im Buch schreiben.

Diskutiert wird auch in Schorndorf über Rojava (Welche Aussichten hat das Projekt?) und über die PKK (Hat in Deutschland überhaupt jemand mitbekommen, wie sich die Partei verändert hat?).

Eine Kurdin aus Dersim erzählt, was in ihrer Heimat gerade passiert. Wie die AKP aus dem Städtekrieg 2015 jetzt Kapital schlägt. Das Staatsunternehmen TOKI baut Häuser und verkauft die Wohnungen an die, die keine Häuser mehr haben, weil das türkische Militär über die eigene Bevölkerung hergefallen ist. Diese Frau berichtet auch von der Enttäuschung dieser Menschen. Die Abgeordneten der HDP, Bürgermeister wie Leyla Imret aus Cizre, die in unserem Buch eine Hauptrolle spielt: Sie alle haben uns im Stich gelassen. Sind einfach in den Westen gegangen. Diese Frau verteilt Flyer in der Manufaktur: Wir helfen Kindern aus Cizre und Dersim. Helfen Sie mit! Danke, Schorndorf.