Freiburg, 25. September 2018

Freiburg ist nicht Salzburg. In Freiburg sind wir das Vorprogramm der Demo. Erdogan not welcome. Mittwoch in Freiburg, Freitag in Berlin, Samstag in Köln – auch dort mit Armin, Mustafa und ihren Freunden.Mustafa hat keine so guten Erinnerungen an die letzte Erdogan-Demo. Anderthalb-Wochen im Krankenhaus, monatelange Quälerei. Türkische Nationalisten, sagt er. Und die deutsche Polizei hat zugeschaut. Im Moment ist Mustafa in Elternzeit. Sara, sein fünftes Kind, ein Jahr alt, benannt nach Sakine Cansiz, Gründungsmitglied der PKK, Kampfname Sara, ermordet im Januar 2013 in Paris.

Mustafa ist seit 1989 in Deutschland. Sein Antrag auf Einbürgerung ist gerade abgelehnt worden, nach viereinhalb Jahren. Zu politisch. Ein Rundgang mit ihm durch Freiburg: Dort sind wir zum 1. Mai, auf der Brücke waren wir am letzten Wochenende mit eintausend Leuten. Immerhin: YPG-Fahnen sind hier kein Problem (mehr). Das Ermittlungsverfahren gegen Mustafa wurde eingestellt.

Die Fahne hängt dann auch im Hörsaal. 120 Menschen. Kurden und Deutsche, Junge, Mittelalte und ganz Alte. Ein Mann erzählt, wie ihn die Bundesregierung in den frühen 1990ern auf die kurdische Frage gestoßen hat. NVA-Waffen im Osten der Türkei. Und Berlin? Schweigen, leugnen. Die PKK verbieten, damit es nicht mehr gegen die Bevölkerung geht, sondern gegen „Terroristen“. Im Buch erzählen wir die Geschichte von Reimar Heider, die ganz ähnlich beginnt. Heute übersetzt Heider Öcalan und kämpft für seine Freilassung.

Dann kommt die Genderfrage. Der Buchtitel und überhaupt. Freiburg lebt. Im Buch gibt es keine Sternchen, keine Unterstriche. Nicht einmal ein großes „l“. Dafür Abwechslung. Weiblich, männlich, weiblich. Im Zweifel immer weiblich. Sprache ist eine Materialität erster Ordnung. Sprache schafft Realität. Das hätten wir auch auf die Frage nach der Frauenrevolution antworten sollen. Papier und Wirklichkeit. Irgendwann wird aus Papier Wirklichkeit. Ohne Papier verändert sich nichts.

Vor der Lesung haben die Organisatoren über KenFM gestritten. Was macht man mit einem, der dort aufgetreten ist und das auch noch verteidigt? Will man mit so jemandem unter einem Dach schlafen? Das ging für manche offenbar doch zu weit. Immerhin haben wir Bier getrunken, gesprochen und dabei nicht alles verstanden, aber manches gelernt. Auch dafür danke, Freiburg.