Fellbach, 27. September 2018

Erwartet waren 15, gekommen sind 30. Fellbach, letzter Ort der viertägigen Baden-Württemberg-Tour. Dieter Keller, Einlader und örtlicher Vorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei, ist erfreut. Selbst „Die Linke“ hat ihren Stammtisch nach hinten verlegt und lauscht gespannt. Den griechischen Wirt der „Rose“ freut es auch: Umsatz, den Kurden sei Dank. Das Publikum ist älter, so wie in Schorndorf. Nur ein Kurde, aus Dersim, ist da. Er hat es aus der Zeitung erfahren.

Das Foto stammt von Beobachter News. Dort wird es in den nächsten Tagen auch ein Video des Vortrags geben.

„Zu Beginn muss ich etwas korrigieren. Kerem ist nicht, wie angekündigt, Kurde“, sagt Dieter. Eine gute Gelegenheit den früheren turkmenisch-stämmigen HDP-Abgeordenten Sirri Süreyya Önder zu zitieren, der sich als Kurde sieht, so lange die Unterdrückung in der Türkei anhält. In der Diskussionsrunde geht es, ganz im Sinne der DKP, um die ökonomischen Grundlagen der Unterdrückung und Teilung Kurdistans. Und darum, ob die Kurden nicht „die Juden“ des Mittleren Ostens seien, wenn man ihre ständige Verfolgung beachte (Nein, sind sie nicht). Und es geht um die Rolle Abdullah Öcalans: „Immer wenn ich sein Porträt auf Demonstrationen sehe, weiß ich nicht, ob er jetzt gut oder schlecht ist“, sagt eine ältere Frau. Ein Verweis auf seine Gefängnisschriften (zum Beispiel „Gilgameschs Erben“, in überarbeiteter Form vor kurzem im Unrast-Verlag erschienen, oder „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt„) sorgt für Aufklärung.

Zum Schluss kommt ein Grünen-Stadtverordneter zu Dieter Keller und sagt, dass sie selbst in ihren besten Zeiten nicht so viele Menschen für eine politische Veranstaltung in Fellbach mobilisieren konnten. Das erhöht die Vorfreude auf nächste Woche, dann in Leipzig und Göttingen (alle weiteren Termine hier).

Nachtrag: Der Abend endet abrupt, als die Nachricht über den Tod eines jungen kurdischen Aktivisten aus Ingolstadt kommt, der sich aus Protest gegen den Erdogan-Besuch und die 20-jährige Isolationshaft Öcalans selbst verbrannt hat. Uns fehlen die Worte.