Basel, 24. Oktober 2018

Besser hätte es nicht laufen können. Gestern im Gewerkschaftshaus über die 30 Kurdinnen und Kurden gesprochen, die zum Teil seit Wochen im Transitbereich des Flughafens Zürich festsitzen. Und heute? Ein Medienthema in der ganzen Schweiz. Selbst 20 Minuten berichtet, sogar mit Bild.

Bericht in 20 Minuten

Okay: Es hat sicher nicht an uns gelegen. Zumindest nicht an der Lesung in Basel, obwohl es am Ende ein Soli-Foto gab und einen Appell. Lasst diese Menschen nicht allein. Sie sind vor einem Krieg geflohen, der auch mit uns hier zu tun hat, mit uns in Westeuropa.

Mustafa Mamay zum Beispiel. Ein kurdischer Journalist, in der Türkei zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Kerem hat ihn vor anderthalb Jahren das erste Mal getroffen, im Nordirak (Südkurdistan), und dann ein Jahr später noch einmal, zufällig, in Rojava.

Soli-Foto

Mustafa ist über Südafrika nach Zürich gekommen, für viele tausend Euro. Dort kann man ohne Visum ins Flugzeug steigen. Die Behörden würden ihn gerne zurückschicken, wie all die Landsleute, die mit Mustafa im Terminal ausharren wie einst Tom Hanks. Das war Hollywood. In die Schweizer Medien kam der Fall über ein kleines Portal (Watson). Ob es auch ein Happy End gibt, ist offen.

Nach Basel haben uns der Revolutionäre Aufbau eingeladen (heißt wirklich so) und das Rojava-Komitee. Im Publikum (bunt gemischt, gut 40 Leute): ein Mops. Der Demo-Mops, sagt Lena. Immer dabei, wenn in Basel etwas los ist. Und immer mit der aktuellen Losung beklebt. Unser Buch interessiert ihn nicht so. Lautes Schnarchen in der letzten Reihe.

Diskutiert wird über die US-Militärbasen in Nordsyrien. Ist das noch eine Revolution, wenn man mit dem Imperialismus zusammenarbeitet? Kerem: Strategie vs. Taktik. Ein Leser: Weltanschauung vs. Politik. Es geht um den Städtekrieg in der Türkei 2015/16 (Hat die PKK da Fehler gemacht?), um die europäische Linke (Hat man zu wenig getan?), um die Stimmung ganz generell (Wie stehen die Deutschen zu den Kurden?). Erster Eindruck von der Schweiz: alles etwas lockerer. Vielleicht müssen wir uns aber erst noch reinhören in dieses Land.