Konstanz, 27. Oktober 2018

„Premiere“ steht im Spielplan. „Die Kurden“ im Stadttheater, im Foyer der Spiegelhalle. Auf den Tischen kurdische Snacks und Spendenbüchsen. Alle 50 Stühle besetzt, vielleicht noch 20 Leute auf Barhockern oder am Boden. Perfekt.

Das mit der Premiere stimmt irgendwie. Das erste Mal, dass wir Eintritt kosten. Sieben Euro. Das heißt: Wir müssen liefern. Nicht einfach beim vierten Auftritt in Serie. Die beiden Bilder mit Assad und Öcalan aus Qamislo fallen aus Versehen unter den Tisch. Und beim Lesen gibt es mehr Stolperer als sonst.

Volle Spiegelhalle

In der Diskussion noch eine Premiere: Ein Gast hat zu viel getrunken. Erst beklagt er lautstark, dass die Barzanis zu kurz gekommen seien, und will wissen, was wir an den Peshmerga zu bekritteln haben. Dann bringen ihn zwei Freunde raus, gegen seinen Willen. Kerem: alte Regel. Kein Bier auf politischen Veranstaltungen. Höchstens hinterher.

Eine ältere Dame, sicher Stammgast im Theater, wundert sich nach der Lesung. War das eine politische Veranstaltung? Sie würde gern mehr über die Kurden wissen, über ihre Kultur, über ihren Alltag. Wo wollen diese Leute hin? Ein Buch kann sie leider nicht mitnehmen. Der Laden hat nur sechs Exemplare geliefert.

Die Rojava-Aktivisten, die den Abend mit dem Theater und Seemoz organisiert haben (ein Online-Magazin, das sich in der Tradition unabhängiger Lokalmedien sieht und schon eine lange Rezension veröffentlicht hat), sind trotzdem zufrieden. Eine gute Woche, sagt Jürgen. Donnerstag im Stadtparlament knapp gewonnen. Konstanz ein sicherer Hafen, gegen die Stimme des OB. Und jetzt noch diese Veranstaltung.

Und auch in Konstanz: Solidarität mit Max Zirngast

Noch besser war offenbar die Maidemo. Grenzüberschreitend, hinüber in die Schweiz, mit Gästen aus Bern. Anarchisten, Trotzkisten, so etwas. Wir haben die Szene gestern kennengelernt. Noch in Deutschland die Fahnen ausgerollt, die hier nicht erlaubt sind, aber auf der anderen Seite schon. Ein feiner Spaß, wie unser Besuch am Bodensee.