Kassel, 10. November 2018

Ein Hörsaal am Samstagabend, parallel zu Dortmund vs. Bayern: Das war dann offenbar doch nicht die beste Idee. 38 Zuhörer, aber auch drei Kameras im Raum. Bald läuft unsere Show auf Weltnetz TV, ohne Diskussion, aber mit 30 Minuten Exklusiv-Interview.

Vielleicht war es aber auch gar nicht der Termin. Kassel hat einen schwarzen Freitag hinter sich. Eine Demo gegen Rechts. 300 Leute, ein paar Fahnen der YPG, Öcalan-Bilder. Ein Teil unserer Zielgruppe, sozusagen.

M. sieht man noch an, was dann passiert ist. Eine Wunde auf der Stirn, überall Prellungen, Schmerzen. Die haben mich richtig verdroschen, sagt er. Von hinten ins Kreuz gesprungen, auf ihm gesessen, so lange am Arm gedreht, dass er dachte, die wollen mir was brechen. Anderthalb Stunden auf dem Revier, drei Anzeigen. Die Lokalpresse schreibt das, was die Polizei ihr diktiert hat. Widerstand gegen die Staatsgewalt. Solche Sachen. Sich selbst ein Bild machen, die andere Seite hören, sie vielleicht sogar zitieren? Eigentlich nichts leichter als das. Es gibt genügend Videos. Aber was sind schon journalistische Standards, wenn es um die Kurden geht.

Im Hörsaal könnten wir natürlich über Kassel sprechen. Im Buch erzählt ein ganzes Kapitel über die Stadt. Über das Sandershaus, über Leyla, über ihren Öcalan-Lesekreis, der längst Nachahmer gefunden hat überall im Land. In Kassel läuft seit dem Frühjahr ein zweiter Lesekreis, immer dienstags, jetzt zu den Frauen. Nächste Woche gibt es ein Soli-Konzert für die Kampagne „Make Rojava green again“. Und die Bücher, die übrig geblieben sind, werden überall dabei sein. Was wir in Kassel gesagt haben? Weltnetz TV. Einschalten, einfach auch mal so.