Heilbronn, 16. November 2018

Das gönne ich mir auf meine alten Tage, sagt Heinz. Die Nakba-Ausstellung in die Gegend holen. Heinz leitet den „Freundeskreis ehemalige Synagoge Affaltrach e.V.“. Ein schöner Ort, um etwas zu machen. An den 9. November erinnern, demnächst vielleicht Moshe Zuckermann einladen.

Was bei euch da in München läuft, ist schon krass, sagt Heinz. Hier in Heilbronn undenkbar. Da kommen bei sowas vielleicht 20 Leute. Heinz war bei den Grünen, bis 1989. Einmal Partei reicht ihm. Einmal verheiratet auch. Vor fünf Jahren hat er als Parteiloser für den Bundestag kandidiert. Als Linker (mit Jaguar und Harley, okay) in einer CDU-Hochburg, im Reich von Lidl und Kaufland. „Bestimmte Themen haben die anderen da schon vermieden. Die wissen, dass ich nicht auf der Brotsuppe daher geschwommen komme.“

Zur Lesung im Sozialen Zentrum Käthe hat es Heinz nicht geschafft. Er hat gerade Besuch aus Israel. Neben Russland das Land, das es ihm am meisten angetan hat. Daheim in der Küche hängt ein Vokabel-Kalender. Jeden Tag ein bisschen Russisch.

Viel Platz wäre ohnehin nicht mehr gewesen im Leseraum. Knapp 50 Leute, bis zur Tür rappelvoll. So viele Aleviten und so viele Kurden habe ich hier noch nie gesehen, sagt Jürgen. Er war im Juni 2015 als Wahlbeobachter in Diyarbakir. Ankunft mit der Bombe, sozusagen. Unser Bild erinnert ihn an die Stimmung damals.

Vielleicht bringt unsere Lesung zusammen, was in Heilbronn zusammengehört. Junge Leute aus der Käthe, alte Linke wie Jürgen und Walter, der schon in Schorndorf bei uns war, Kurdinnen. Sogar die SPD soll im Raum sein. Lasst uns einen Stammtisch machen, sagt Jürgen. Wir sprechen über die Polizei, die in Heilbronn besonders repressiv ist, über den EuGH, der gestern in Luxemburg entschieden hat, dass die PKK von 2014 bis 2017 zu Unrecht auf der Terrorliste stand, über die Gewalt, die auch von der PKK ausgeht.

Euer Buch hat mich voll aktiviert, sagt Gregor, vielleicht 20. Diese Menschen, über die ihr da schreibt. Da will man gleich selbst was machen. Gregor sagt, dass er das Buch schon vielen Freunden geborgt hat. Unsere Autogramme schreiben wir ihm deshalb auf einen Flyer. Immer noch Premieren, selbst in Lesung Nummer 20.