Stuttgart, 18. November 2018

Verkehrte Welt im Willi-Bleicher-Haus. Heute bekommen wir ein Buch. Jeder eins. „Erlebnisse aus dem Gefängnis. Erzählt von den Gefangenen. 1. Band“, gerade erschienen im Verlag Soran, übersetzt von Michael Knapp, der bei uns eine tragende Rolle spielt.

„Wir Frauen machen Geschichte“, schreibt Gül Güzel, die Autorin, in das Buch, vielleicht Ende 50, vielleicht auch ein bisschen älter, die Haare rot gefärbt. Und ihr Männer müsst das lesen, flüstert sie mit einem Lächeln. Heute Abend hat Gül eine Kamera dabei. Kurdisches Fernsehen. Warum wir das Buch geschrieben haben, will sie wissen. Und was erlebt ihr so bei euren Lesungen? Antworten werden hier nicht verraten. Sterk TV einschalten oder News Channel, dann vermutlich mit Untertiteln.

Der Sonntag ist eigentlich nicht wirklich perfekt für solche Veranstaltungen. Vor ein paar Wochen in Salzburg hatten wir da nicht einmal 25 Zuhörer. Heute mehr als 50 und viele kritische Fragen. YPG und USA, PKK und die türkische Linke, überhaupt die Revolution in Rojava. Wie soll das gehen in dieser Welt? Und warum erzählen uns die deutschen Medien so wenig davon? Perfekte Vorlagen, um Werbung zu machen für unser Buch und für das, was wir sonst noch so tun (zum Beispiel im Blog Medienrealität).

Ich dachte erst, die wollen mich veralbern, sagt ein Leser, als alles vorbei ist. Da hast du immer deinen Marx gelesen und jetzt das. Märchen, Geschichten, Menschen. Ein bisschen habe er gebraucht, sagt dieser Mann. Aber dann sei er nicht mehr losgekommen. Die Sprache. Davon lebe dieses Buch. Das hätten wir nicht besser sagen können. Danke, Stuttgart.