Hamburg, 11. Januar 2019

Wieder ein Hörsaal und wieder ein, nun ja, eher schleppendes Gespräch. Das war schon in Marburg so und dann auch in Kassel. Der Weg zum Publikum ist weit in solchen Räumen, zumal wenn es wie in Hamburg eine Art Podest gibt. Die Architektur lässt keinen Zweifel: Da vorn sitzt die Weisheit, und weiter hinten hat man gefälligst mitzuschreiben.

Vielleicht ist einfach auch die Hürde zu hoch, die die Veranstalter vom AStA, vom Fachschaftsrat Sozialökonomie und vom Referat für internationale Studierende in ihren Eingangsstatements aufbauen. Da ist von der unbegrenzten Skrupellosigkeit der Herrschenden die Rede und von sozialen Kämpfen auf der ganzen Welt. Junges Volk aus 190 Ländern kommt an die Universität Hamburg und mit ihm all das, was dort zu erleben ist. In der Diskussion wird es dann auch um den Spirit gehen – um die Lust auf Veränderung und auf einen Bruch mit dem, was für uns ganzg selbstverständlich ist. Rojava, natürlich. Warum geht da, was hier unmöglich scheint?

Wir müssen heute nicht alleine nach Antworten suchen. Neben uns sitzt Ramazan Mendanlioglu, Doktorand, Rojava-Experte. Er hat über die neuen Universitäten und Akademien berichtet, über den Versuch, eine andere Wissenschaft aufzubauen, jenseits von Kapitalismus und Verwertungsinteressen. Abdullah Öcalan lässt grüßen, na klar. Aber vielleicht auch Geoffroy de Lagasniere. Es geht um eine wirklich andere Gesellschaft, sagt Ramazan. Die Anfänge hat er vor Ort gesehen.

In der Kneipe wird es hinterher grundsätzlich. Aktiv sein, ja. Aber wie am besten? Noch eine Demo, beim nächsten Mal vielleicht sogar ohne jede Rede? Oder auf Bildung setzen, auf Wissen und Aufklärung? War es okay, „Waffen für Rojava“ zu rufen? Oder macht nicht die Kalaschnikow am Ende aus dem Revolutionär genau das, was er ursprünglich bekämpfen wollte? Wie gesagt: das Grundsätzliche, in einer Kneipe. Da gibt es Bier, aber keine Einigung.

Vielleicht nur eine Randnotiz, irgendwie aber schon auch grundsätzlich: Auch in Hamburg wurde diskutiert, ob man uns sprechen lassen kann. Der Kompromiss: Einladung ja, Honorar nein. Das heißt: 200 Euro weniger auf dem Solikonto für Menschen, die hier in Deutschland verfolgt werden, weil sie zum Beispiel YPG-Fahnen getragen oder geteilt haben. Das mit dem Spirit fängt oft im Kleinen an.