Dortmund, 12. Januar 2019

Mitternacht gab es ein Ständchen, von Profis. Besser hätten das die Wise Guys selbst auch nicht gekonnt. Das Geburtstagskind heißt Mercan und hat den Abend im Taranta Babu organisiert. Ein besonderer Abend, in jeder Hinsicht. Manchmal fügt es sich einfach, dass Ort, Zeit und Ereignisse wie füreinander geschaffen sind.

Dabei sah es vorher gar nicht so aus. Paris. Die große Demo für Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Söylemez, vor sechs Jahren ermordet in der französischen Hauptstadt. Wer würde da in Dortmund bleiben? Genauer: Werden nicht alle losgefahren sein, die es mit der kurdischen Freiheitsbewegung halten?

Das Taranta Babu platzt dann doch aus allen Nähten. Ein Kleinod, nur ein paar Minuten entfernt vom Deutschen Fußballmuseum und doch so ziemlich das Gegenteil. So etwas gibt es sonst nirgendwo in Deutschland, sagen die, die hier immer sind. Eine ganze Straßenzeile Kultur. Buchladen und Antiquariat, Wohnzimmer (oder: „Das Cafe“), Kulturhaus. Die Dortmunder Attac-Gruppe trifft sich hier und die Hochschulgruppe für Menschenrechte. Und all die, die gerne Menschen um sich haben, Bücher, gute Musik.

Das Taranta Babu ist Hasan. Seit 40 Jahren. Unser Buch hat er mit der Lupe gelesen. Die Augen. Hasan schimpft ein wenig über all die jungen Aktivisten, die vor lauter Politik vergessen, dass irgendwer den Kaffee kaufen muss, den sie da trinken. Egal. Geld wollte ich schon immer abschaffen, sagt Hasan. Der Vermieter nimmt 700 Euro für 50 Quadratmeter über dem Taranta Babu. In Dortmund. Hasan kommt trotzdem mit ihm klar. Im Sommer, wenn die Leute lieber draußen sitzen als in seinem Wohnzimmer, sagt Hasan, im Sommer helfen die Vereine. Wie sieht denn die Kasse aus, Hasan? Wie soll sie schon aussehen.

Unser Publikum im Taranta Babu ist kurdisch und weiblich. Das macht etwas mit dem Ton im Raum, buchstäblich. Man hört das Wissen und das Leiden, wenn wir von Cizre erzählen und von Leyla Imret, wenn wir Ismail Küpeli reden lassen über die Aufstände in den 1920ern und 1930ern, wenn wir Donald Trump auf die Leinwand bringen, Merkel, Putin, Erdogan. Kein Ende in Sicht, immer noch nicht.

Aber dann ist da die Nachricht des Tages. Abdullah Öcalan hat mit seinem Bruder Mehmet sprechen können. Nicht die Anwälte, nicht seine Weggefährten. Keine Politik. Aber ein Lebenszeichen, das erste seit fast zweieinhalb Jahren. Es geht ihm offenbar gut, gesundheitlich zumindest. In der Geburtstagsrunde werden später Videos aus Rojava gezeigt. Ein Feuerwerk, gegen das Silvester in Deutschland Kinderfasching ist.

Im Taranta Babu beginnt die Feier direkt nach unserer Lesung. Es gibt Live-Musik, und es wird getanzt, ganz ohne Wein und ohne Bier. Und: So viele Autogramme haben wir noch nie gegeben. Ein besonderer Abend, wie gesagt.