Frankfurt am Main, 24. Januar 2019

Der Verleger verkauft selbst. Wenn das nichts ist. Markus J. Karsten hat das neue Buch von Chomsky mitgebracht, den Mausfeld (Hardcover!), Max David, unseren Lektor, und Tiger, seinen winzigen Hund, der zwei Stunden mucksmäuschenstill ist.

Auch sonst: eher Ruhe im Raum. Wir sind bei Medico International, in einem schönen, neuen Haus mit fünf Etagen. Der EZB-Turm ist nicht weit, das Leben in Frankfurt aber schon. Medico ist eingesprungen, weil uns die Brotfabrik nicht haben wollte. Das alte Leid. Wie das so ist, wenn keiner richtig weiß, wer denn nun zuständig ist. Der eine denkt, dass die andere denkt, dass sie schon jemanden kennt, der Werbung macht. Mehr als 40 Menschen kommen so halt nicht zusammen an einem eisigen Winterabend, auch wenn es in Rojava brennt.

Im Publikum: Family and Friends. Newroz ist da, die unseren Auftritt in Hanau organisiert hat, dort aber durch einen anderen Termin verhindert war. Dann Gamze Kafar, die im Buch eine Rolle spielt, weil sie mit Kerem im Norden Syriens unterwegs war und sozusagen aus erster Hand berichten konnte, was sie in Afrin erlebt hat. Die Ohnmacht der kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer, weil sie den Feind nicht sehen konnten. Das Krankenhaus, das die Türken bombardiert haben. Die Verletzten, die Toten. Körperteile. Die Schrecken des Krieges, die hierzulande langsam aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden und auch deshalb immer wieder neu erzählt werden müssen.

Hinter Newroz sitzt ein Aktivist, der weiß, wie teuer es ist, in Deutschland gegen Rüstungsexporte zu protestieren. 15.000 Euro. Anlass: ein Transparent, gehalten am 8. Mai, in Berlin, am Tag der Hauptversammlung von Rheinmetall. Panzer. Der Strafbefehl ist noch nicht das letzte Wort, sondern jetzt ein Schlüssel, um die Botschaft gegen den Krieg doch noch in die Öffentlichkeit zu bringen. Wenn nicht vor den Aktionären, dann eben im Gerichtssaal.

Auch Karl-Heinz, unser Gastgeber, gehört zur Friedensbewegung. Nicht mehr so einfach heute, sagt er. Die alten 68er haben jetzt zwar Zeit, aber längst auch graue Haare. Die Jungen? Entweder in den Fukuyama-Jahren aufgewachsen (nach dem Ende der Geschichte) oder so jung, dass man noch nicht weiß, was daraus werden wird.

Und dann sind da die unseligen Debatten, mit denen sich nicht nur Menschen wie Karl-Heinz herumschlagen müssen. Kontaktschuld. Querfront. Vor zwei Jahren hat er dazu eine Broschüre gemacht, knapp 70 Seiten: “Ist der antifaschistische Konsens in der Friedensbewegung gefährdet?” Es geht dort auch um die NachDenkSeiten, um KenFM, um RT Deutsch. Wir brauchen mehr Medienkompetenz, sagt Karl-Heinz. Wir empfehlen ihm unseren Blog Medienrealität, zählen die Spenden (250 Euro – danke, Frankfurt!) und fahren gut gelaunt nach Paderborn, wo es Stress mit türkischen Nationalisten geben soll, das erste Mal auf dieser Tour. Terrorpropaganda in der Universität, ist die Parole. Details dann morgen hier.