Mannheim, 5. Februar 2019

Mannheim ist anders. Mehr Statements als Fragen. Ein Demoaufruf (Hände weg von Rojava, 30. März, Start um 14 Uhr am Schloss), Appelle. Tut was, Leute. Gegen den Kapitalismus, gegen dieses falsche Leben überhaupt. Und es gibt Ergänzungen zu dem, was wir erzählt haben. Gute Ergänzungen. Vielleicht liegt das daran, dass eine Bundestagsabgeordnete im Raum ist. Vielleicht auch an Mannheim und seinen Menschen.

Gökay Akbulut ist migrationspolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Parlament. Damit könnte man diesen Blogeintrag leicht füllen. Die Kämpfe mit Sahra Wagenknecht und ihren Leuten. Aufstehen. Heute aber geht es um Straßburg. Der Hungerstreik, der dort seit einer Ewigkeit läuft und trotzdem nicht stattfindet in den deutschen Medien.

Gökay Akbulut war gerade dort und will das Thema nächste Woche in Berlin in den Menschenrechtsausschuss bringen. Sie hat schon Anfragen gestellt und mit vielen Kolleginnen gesprochen. Grüne, SPD. Wie man das so macht als gute Abgeordnete. Die Öffentlichkeit schweigt weiter. Ein paar Zeilen, als Leyla Güven aus dem Gefängnis kam, die HDP-Abgeordnete, die seit drei Monaten nichts mehr isst, um die Isolation von Abdullah Öcalan zu durchbrechen. Sonst nichts. Die Kommunalwahlen in der Türkei Ende März, sagt Gökay. Der US-Abzug. Es ist so viel im Fluss, dass sich niemand aus der Deckung wagt, zumal wenn es um Öcalan geht, diesen Terroristenführer.

Die Mannheimer haben diese Angst erlebt, sehr konkret. Straßburg ist nicht weit von hier, keine zwei Stunden mit dem Auto. Einige Aktivisten sind Anfang Januar zu den Hungerstreikenden gefahren und hätten gern gesehen, dass die Lokalpresse darüber berichtet. Was hat der Journalist gesagt? Mein Türkei-Urlaub. Ich bin doch nicht so blöd, mir das durch sowas zu versauen.

Es gibt auch Lichtblicke im DGB-Haus. Eine Frau erzählt von den fünf Brigadisten aus Mannheim, die in Kobane waren und dort geholfen haben, ein Gesundheitszentrum zu bauen, mit Solaranlage. Gökay Akbulut macht das, was Politiker (offenbar auch Politikerinnen) in solchen Situationen immer tun. Sie hält aus dem Stehgreif eine Rede. Über das Große und das Ganze, versteht sich.

Und dann ist Dastan Jasim da, die in unserem Buch eine Hauptrolle spielt. Unsere wichtigste Quelle für Südkurdistan und auch sonst in jeder Hinsicht inspirierend. Heute lobt sie unseren Titel. Ihr könnt ruhig “Die Kurden” sagen. Die Kurden seien nunmal eine Ethnie, die überall genau deswegen unterdrückt worden sind und weiter unterdrückt werden, weil sie Kurden sind.

Dastan empfiehlt die Bücher von Sakine Cansiz, im Januar 2013 in Paris ermordet. Dort könne man viel über den alltäglichen Rassismus lernen und über die Revolution der Frau. Und sie spricht über die Justiz in Rojava. Über Schiedsgerichte, zu denen Frauen mit ihren Männern gehen können, wenn sie sie weiter schlagen, zum Beispiel. Justiz: Für die Kurden sei das früher irgendein Büro in Damaskus gewesen, unerreichbar in jeder Hinsicht. Heute sei das vor Ort greifbar und gewinne schon dadurch Legitimation. Viel gelernt in Mannheim. Und viele Spenden bekommen. Zusammen mit dem Honorar 820 Euro. Rekord. Mannheim ist anders, wie gesagt.