Heidelberg, 6. Februar 2019

In Mannheim in die Tram steigen und in ein paar Minuten in eine andere Welt fahren. Heidelberg. Tradition pur. Die älteste Universität Deutschlands. Am Schlossberg hat Hannah Arendt gewohnt, von 1926 bis 1928. Das Haus steht nicht mehr, aber es gibt ein Schild. Das ist gut, denn kaum eine Theoretikerin hat mehr über das Hier und Jetzt zu sagen als Hannah Arendt. Direkt gegenüber haust die Burschenschaft Normannia. Verbindungen sind ja an sich schon schlimm, sagt Alex Hummel, der unsere Lesung organisiert hat. Aber die setzen dem Ganzen die Krone auf.

Alex kennen wir über das Netzwerk Kritische Kommunikationswissenschaft. Wenn man so will: der dritte Streich auf dieser Tour, nach Leipzig (Uwe Krüger) und Hildesheim (Aljoscha Paulus). In Heidelberg sind wir im Heuschober, direkt neben dem Marstall, heute eine preisgekrönte Mensa. Von außen sieht der Heuschober tatsächlich wie ein Heuschober aus. Eine Wand aus rötlichen Feldsteinen. Innen: ein moderner Hörsaal. Lisa, die Freundin von Alex, hat hier Jura-Vorlesungen gehört. Schrecklich, sagt sie. Nur Steine und nirgendwo ein Fenster.

Veranstalter ist der SDS, eine Studentenvereinigung, die sich der Linkspartei verbunden fühlt. Wir sind Teil drei einer Reihe. “Systemkritisches Frühjahr”, mitten im Winter. Besser kann man nicht mit Symbolen spielen. Man hat schon über Imperialismustheorie gesprochen und über die Großmachtpolitik im Ersten Weltkrieg und will nun konkret werden, mit uns, mit den Kurden.

Im Raum: etwas mehr als 50 Menschen. Weniger als gestern in Mannheim, aber deutlich jünger und auch nicht ganz so bunt. Heidelberg eben. Wir sprechen über Ökologie in Zeiten des Krieges und über Abdullah Öcalan. Über das, was die Linken im Westen von der Idee Demokratischer Konföderalismus lernen können und überhaupt von der kurdischen Freiheitsbewegung. Lest Öcalan, sagt Kerem. Gerade wenn ihr Sozialwissenschaften studiert und euch für Theorie interessiert und für Gesellschaftskritik. Das ist doch (vorläufig) ein schönes Schlusswort, bevor es Ende März im Saarland weitergeht.